Der Elternwille muss respektiert werden: „Leverkusen und Nordrhein- Westfalen brauchen eine aufgeklärte Schulpolitik“

Veröffentlicht am 19.03.2010 veröffentlicht in: Pressemitteilungen

Auf Grundlage der diesjährigen Anmeldungen bei den weiterführenden Schulen mahnt die SPD-Fraktion eine vorausschauende Schulentwicklung an. Mit 110 Ablehnungen von Kindern an Leverkusener Gesamtschulen schrammt die Stadt zwar knapp am rechtlichen Zwang vorbei, eine neue Gesamtschule auf Grund des Schulgesetzes einrichten zu müssen. Wo es Mängel in der Schullandschaft gibt und wichtige bildungs- und gesellschaftspolitische Ziele verfehlt werden, muss eine verantwortliche Politik aber handeln.
Ratsfrau Nina Lepsius erklärt anhand von drei Eckpunkten, wofür die Leverkusener SPD schulpolitisch steht:
1. Das Recht der Eltern auf freie Wahl der Schulform kann in Leverkusen für Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen eingelöst werden, wenn auch nicht immer an der gewünschten Schule. Für Gesamtschulen ist das nicht der Fall. Diese Ungleichbehandlung ist nicht akzeptabel und zu beenden.  Im nächsten Anmeldeverfahren muss den Eltern eine klare Perspektive für eine leistungsstarke dritte Leverkusener Gesamtschule geboten werden! Das Thema ist für die SPD-Fraktion nicht vom Tisch, sondern sie wird in den nächsten Monaten um politische Mehrheiten werben – trotz ihrer Oppositionsrolle und Jamaika Plus.
2. Im Hinblick auf die Situation der Leverkusener Schülerinnen und Schüler herrscht im jetzigen Schulsystem keineswegs Ruhe und Zufriedenheit vor: Die trotz Ganztagsangeboten dramatisch zurückgegangenen Anmeldezahlen an Hauptschulen, die die aktuellen Debatten um die Schließung einer Hauptschule nach sich ziehen, weisen auf ein grundsätzliches Problem hin. Viele Eltern meiden
die Hauptschule, weil sie um die geringen Chancen von Hauptschulabgängern auf dem Ausbildungsmarkt wissen und ihre Kinder in einem selektierenden Schulsystem nicht aufs Abstellgleis geschoben sehen wollen. Sie möchten ihren Kindern gute Bildungschancen offen halten. Das ist aber kein Problem der Hauptschulen alleine. Nicht die Leistung der Pädagogen dort ist schlecht. Problematisch ist vielmehr die vermeintlich begabungsgerechten Aufteilung der Kinder auf verschiedene Schulformen bereits nach der vierten Klasse.  Vor Ort muss die Stadt Leverkusen aus den Anmeldezahlen schnellstmöglich Konsequenzen ziehen.
3. Mit dieser Herausforderung können Leverkusen und andere Städte in Nordrhein-Westfalen aber nicht alleine gelassen werden. Nicht nur bei uns, sondern landesweit fehlen Plätze an Gesamtschulen, werden Kinder angewiesen und wird das Wahlrecht der Eltern innerhalb des bestehenden Schulsystems nicht eingelöst. Immer noch ablehnende Bezirksregierungen bremsen Gesamtschul-Gründungen nach Möglichkeit aus. Diese bürgerfeindliche Praxis muss sich ändern. Eine Schulreform ist überfällig. Im internationalen Vergleich fördert das Schulsystem sowohl die schwachen auch die starken Schüler schlecht, es bringt also schlechte Leistungen für unsere Gesellschaft. Das Schulsystem ist sozial selektiv, Herkunft zählt mehr als Fleiß und Begabung. Das gefährdet den sozialen Frieden, beschränkt individuelle Entwicklungschancen und verschärft den absehbaren Fachkräftemangel. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens über eine aufgeklärte Schulpolitik in Leverkusen und Nordrhein-Westfalen ist möglich, wenn die letzten ideologischen Gräben verlassen werden.