Veranstaltung: Mehr Güter auf die Strecke und weniger Lärm – geht das?

Veröffentlicht am 11.10.2012 veröffentlicht in: Allgemeine Neuigkeiten

Am Montag, den 1.10.2012 veranstaltete die SPD-Fraktion ein Experten-Hearing, zu dem sich ca. 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger im Forum Leverkusen einfanden. Die SPD-Fraktion hatte dazu eine hochrangige Expertenrunde zusammengestellt, die detaillierte Einblicke in Fragen des Lärmschutzes an und auf den Strecken gaben und sich natürlich auch den Fragen den Publikums stellten.
Nach Begrüßung durch den Fraktionsvorsitzenden Peter Ippolito und einem Grußwort des Vorsitzenden der Interessengemeinschaft “Netzwerk gegen Lärm in Leverkusen”, Friedrich Jonas, übernahm Markus Feldenkirchen (Redakteur und Journalist DER SPIEGEL) die Leitung der Gesprächsrunde. Der Diskussion stellten sich an diesem Abend Ulrich Kelber MdB, Umweltexperte und stv. Fraktionsvorsitzender SPD-Bundestagsfraktion, Peter Westenberger, DB AG – Bahn-Umwelt-Zentrum Berlin – Leiter der Abteilung für Nachhaltigkeits- und Umweltinformation, Dr. Franz-Josef Feldmann, Bundesumweltministerium (BMU) – Leiter Referat „Schutz vor Lärm und Erschütterungen“, Martin Walter, Landesverkehrsministerium (MBWSV NRW) Dipl-Ing. Zuständig für Technik und Sicherheit der Eisenbahnen und Bergbahnen und Helmut Ruppert, Verkehrsclub Deutschland, Maschinenbauingenieur mit Schwerpunkt Schienenfahrzeugtechnik. Eingeladen war darüber hinaus auch das Bundesverkehrsministerium (BMVBS), welches sich aber nicht in der Lage sah, einen Teilnehmer für das Hearing zu entsenden.
Zahlreiche positive Rückmeldungen zur Veranstaltung belegen, dass es gelang vielen Zuhörern neue Aspekte in der Debatte bekannt zu machen und auch die Rolle der Bahn, die seitens der weiteren Akteure in der Leverkusener Kommunalpolitik gern und oft als „Grund allen Übels“ dargestellt wurde, nun differenzierter wahrzunehmen. Es ist klar geworden, dass Druck auf die Bundesregierung – speziell auf das BMVBS – ausgeübt werden muss, um Verbesserungen am Bahnlärm zu erreichen.
Auch die Zahlen und Vergleichswerte, die in der Diskussion seitens des Podiums eingebracht wurden, halfen manchen Zuhörer die Dimension des Problems begreifbarer zu machen. Einige der angesprochenen Lösungsansätze wurden als hilfreich und zielführend anerkannt.
So wurde zum Beispiel von Ulrich Kelber auf die Kosten hingewiesen, die das Gesundheitswesen für Lärmgeschädigte ausgeben muss. Nur ein Bruchteil dieser Folgekosten würde ausreichen, passiven wie aktiven Lärmschutz zu finanzieren und zudem zu einer nachhaltigen Entlastung des Gesundheitswesens führen. Auch über eine Abgabe für besonders laute Waggons wird nachgedacht, die einen Einsatz solcher Waggons unrentabler machen sollen. Um hier keine Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil deutscher Betreiber entstehen zu lassen muss aber eine gesamteuropäische Lösung her. Im Europaparlament ist dies bereits Thema, da viele Länder mittlerweile die Gesundheitsschädigung durch Bahnlärm anerkannt haben. Auch hier arbeiten die europäischen Sozialdemokraten in Brüssel an einer Initiative.
Kontrovers war die Debatte um die Frage der Zunahme des Schienenverkehrs in den nächsten Jahren. Hier gingen die Zahlen und Einschätzungen zum Teil weit auseinander. Große Einigkeit bestand in der Runde bei der Frage Abschaffung des Schienenbonus, den die Runde unisono bejahte. Dadurch können Eigner von Waggons gezwungen werden laute Waggons aus dem Verkehr zu nehmen oder auf leisere Bremsen umzurüsten. Es wurde berichtet, dass noch 500.000 Güterwaggons, die in Deutschland verkehren, auf eine solche Umrüstung warten. Hier soll ebenfalls der Druck auf die Bundesregierung erhöht werden, dafür mehr Mittel bereitzustellen. Auch das Landesregierung NRW ist hier nicht untätig und versucht über den Bundesrat den Druck zu erhöhen.
Alle diese Aufgaben sind nicht von heute auf morgen zu realisieren. Aber es wurde deutlich, dass Kommunen, Land, Bund und auch der Bahn klar ist, dass hier schnellstmöglich Verbesserungen eintreten müssen – denn Bahnlärm macht krank!